Forscher identifizieren vier neue Zielmoleküle für eine zukünftige personalisierte MS-Behandlung

Derzeit verfügbare Therapien zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) sind unpräzise und können zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen. Forscher des Karolinska Institutet in Schweden haben nun eine Methode zur Identifizierung der an Autoimmunerkrankungen beteiligten Immunzellen entwickelt und vier neue Zielmoleküle von potenzieller Bedeutung für die zukünftige personalisierte Behandlung von MS identifiziert. Die Ergebnisse, die in veröffentlicht werden Wissenschaftliche Fortschrittewurden in Zusammenarbeit mit dem KTH Royal Institute of Technology und der Region Stockholm erhalten.

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems, die sich normalerweise zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr entwickelt. Die Krankheit wird von Immunzellen verursacht, die fälschlicherweise das Gewebe angreifen, das Neuronen im Gehirn und im Rückenmark umgibt. MS verursacht neurologische Symptome wie Sensibilitätsstörungen, Geh- und Gleichgewichtsstörungen und Sehstörungen. Derzeit gibt es keine Heilung, nur Behandlungen, die die Rückfallraten reduzieren und die Symptome lindern.

Bestehende MS-Behandlungen wirken ziemlich unterschiedslos auf das Immunsystem, was schließlich zu Komplikationen wie Infektionen führen kann. Eine genauere Ausrichtung zukünftiger Behandlungen auf die Immunzellen, die die Krankheit antreiben, kann daher zu einer größeren Wirksamkeit und weniger Nebenwirkungen führen.

Mattias Bronge, Doktorand in der Forschungsgruppe von Hans Grönlund am Department of Clinical Neuroscience, Karolinska Institutet

Zusammen mit der Forschungsgruppe von Professor Thomas Olsson am Karolinska Institutet haben Grönlund und sein Team eine Methode entwickelt, die es ermöglicht, die T-Zellen zu identifizieren, die auf bestimmte Zielmoleküle – sogenannte Autoantigene – reagieren. Die vorliegende Studie beschreibt vier neue Autoantigene, die zu den wenigen, die zuvor bei MS identifiziert wurden, hinzugefügt werden können und einen wesentlichen Beitrag zu zukünftigen Entwicklungen in Diagnose und Behandlung leisten werden.

„Unsere Methode ermöglicht es, diese Autoantigene so zu präsentieren, dass wir die darauf reagierenden T-Zellen identifizieren und anschließend deaktivieren können“, sagt Hans Grönlund, Assistenzprofessor für Immunologie.

Da Menschen mit MS auf verschiedene Autoantigene reagieren können, ist es wichtig, die krankheitsverursachenden Immunzellen jedes Patienten zu identifizieren. Diese Art der personalisierten Behandlung wird als Präzisionsmedizin bezeichnet.

„Sobald das individuelle Autoantigenprofil eines Patienten identifiziert ist, kann eine Behandlung entsprechend angepasst werden“, erklärt Dr. Grönlund. „Die meisten Autoimmunerkrankungen werden von T-Zellen angetrieben, und wenn wir einen Weg finden, sie bei Krankheiten wie MS anzugreifen, können wir den Weg für präzisere Behandlungen mit weniger Nebenwirkungen für andere Autoimmunerkrankungen ebnen. Dank unserer langjährigen Zusammenarbeit mit Professor Roland Martin an der Universität Zürich wird unsere Methode in eine klinische Phase-2-Studie aufgenommen, die darauf abzielt, die aggressiven T-Zellen, die die MS-Entwicklung und -Progression vorantreiben, ‚abzuschalten‘.

Die vorliegende Studie umfasste 63 Proteine, die in Blutproben von MS-Patienten und gesunden Kontrollpersonen analysiert wurden, von denen vier eine Autoimmunreaktivität bei MS zeigten; FABP7, PROK2, RTN3 und SNAP91. Die getesteten Proteine ​​wurden in Zusammenarbeit mit dem Human Protein Atlas und Professor Torbjörn Gräslund am KTH Royal Institute of Technology ausgewählt, und die Studie wurde von KI, KTH und der Region Stockholm durchgeführt.

Die Studie wurde von Vinnova, dem Swedish Research Council, dem Swedish Brain Fund, Neuro, der Margareta of the Uggla Foundation, Stratneuro und der Region Stockholm finanziert. Hans Grönlund ist der Gründer von NEOGAP Therapeutics AB, das die verwendete Methode patentiert hat und gemeinsam mit Mattias Bronge das Patent für die in der Studie vorgestellten Autoantigene hält. Die Co-Autoren Claudia Carvalho-Queiroz, Ola B. Nilsson, Andreas Kaiser und Guro Gafvelin sind bei NEOGAP Therapeutics AB beschäftigt.

Quelle:

Zeitschriftenreferenz:

Bronze, M., et al. (2022) Identifizierung von vier neuen T-Zell-Autoantigenen und persönlichen autoreaktiven Profilen bei Multipler Sklerose. Wissenschaftliche Fortschritte. doi.org/10.1126/sciadv.abn1823.

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